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ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Dezimalsystem
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Das Dezimalsystem (von mittellateinisch decimalis zu lateinisch decem âzehnâ) ist ein Begriff aus der Mathematik fĂŒr dasjenige Zahlensystem, welches sich heutzutage als internationaler Standard etabliert hat. In seinem Aufbau ist es ein Stellenwertsystem mit der Basis zehncite-ref-1[1] bzw. mit zehn verschiedenen Ziffern.cite-ref-2[2] Die Zahlzeichen werden aus den Dezimalziffern von 0 bis 9 und aus deren Aneinanderreihung gebildet. In dieser Form ist das Dezimalsystem fĂŒr ganze Zahlen einsetzbar und auch â ergĂ€nzt durch ein Dezimalzeichen â fĂŒr nicht-ganze Zahlen. Es wird auch als Zehnersystem oder Dekadisches System bezeichnet. In Ă€lteren Veröffentlichungen ist auch der Begriff DenĂ€rsystem zu finden.cite-ref-3[3]
Kulturgeschichtlich haben sich diese Dezimalzahlen in der indischen Zahlschrift entwickelt. Sie sind ĂŒber den arabischen Raum in die europĂ€ischen LĂ€nder weitergelangt, siehe Geschichte des Stellenwertsystems. Im deutschsprachigen Raum beherrscht das Dezimalsystem das gesamte numerische Denken und Schreiben. Daneben fĂŒhren noch â fachsprachlich in der elektronischen Datenverarbeitung â das Dualsystem (BinĂ€rsystem) sowie das Sedezimalsystem (Hexadezimalsystem) ein Nischendasein.
In den Zahlschriften der traditionellen chinesischen und japanischen Dezimalsysteme gibt es neben den Ziffern fĂŒr die natĂŒrlichen Zahlen von 1 bis 9 zusĂ€tzlich Ziffern fĂŒr Zehnerpotenzen. Letztere werden jeweils mit einer Zahlziffer paarweise kombiniert. Diese Schreibweise wird zunehmend durch die indische ersetzt.
In der FrĂŒhzeit der Entwicklung verschiedener Zahlensysteme und Zahlschriften ist als deren Basis die Zehn recht hĂ€ufig verwendet worden. Die einfache ErklĂ€rung fĂŒr diese Bevorzugung liegt darin, dass âunser erster persönlicher Computerâcite-ref-4[4] unsere zehn Finger sind. Diese dienen beim Fingerrechnen als ZĂ€hl- und Rechenhilfe.
Seit dem 19. Jahrhundert auftauchende VorschlĂ€ge, das Duodezimalsystem (Zwölfersystem) wegen seiner Vorteile anstelle des Dezimalsystems einzufĂŒhren,cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] sind bisher erfolglos geblieben.
Contents
âą Ziffern
âą Darstellung
âą Geschichte
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Dezimales Stellenwertsystem
Ziffern
Im Dezimalsystem verwendet man zehn verschiedene arabische Ziffern
die als Dezimalziffern bezeichnet werden.
Die europĂ€ischen Zeichen fĂŒr diese Ziffern stammen aus dem Maghreb und haben nicht die Form, die im Nahen Osten verwendet wird. Auch indische Schriften verwenden andere Zeichen.
Die Ziffern, die als Zahlzeichen zusammengefasst den Wert einer Zahl ausdrĂŒcken, werden unmittelbar aneinander gereiht; lediglich Trennzeichen können eingefĂŒgt sein
âą fĂŒr eine Zifferngruppierung (z. B. Tausendertrennzeichen zur besseren Lesbarkeit) und
âą bei nicht-ganzen Zahlen fĂŒr die Abgrenzung zwischen dem ganzzahligen und dem gebrochenen Teil des Zahlzeichens.
Die Reihenfolge der Ziffern hat eine eigenstĂ€ndige Bedeutung. Jede Ziffer belegt eine Stelle (Position im Zahlzeichen), wozu man Einerstelle, Zehnerstelle, Hunderterstelle usw. unterscheidet. Bei der schriftlichen Addition können dann Einer unter Einer, Zehner unter Zehner usw. geschrieben werden. Diese Anordnung ist erst durch die Erfindung und EinfĂŒhrung der Ziffer Null (vor allem durch Aryabhata) in der indischen Zahlschrift möglich geworden. Bei der Ăbertragung des Zahlwortes âzweihundertfĂŒnfâ in das Zahlzeichen â205â darf die im Wort nicht vorhandene Zehnerstelle nicht fehlen, sondern sie ist mit einer 0 zu fĂŒllen. Anderenfalls wĂŒrde â25â geschrieben; dann wĂ€re die 2 nicht mehr auf ihrer Hunderterstelle.
Darstellung
Eine Dezimalzahl wird im deutschen Sprachraum meistens in der Form
z m z m â â 1 ⊠⊠z 0 , z â â 1 z â â 2 ⊠⊠z â â n ( m , n â â N ) {\displaystyle \mathbf {z} _{m}\mathbf {z} _{m-1}\ldots \mathbf {z} _{0}\mathbf {,z} _{-1}\mathbf {z} _{-2}\ldots \mathbf {z} _{-n}\qquad \left(m,n\in \mathbb {N} \right)}
geschrieben. Dabei ist jedes z i {\displaystyle \mathbf {z} _{i}} eine der zehn oben genannten Ziffern. (Zur besseren Unterscheidung werden hier Ziffernzeichen fett und ihre zugehörigen Ziffernwerte normal gedruckt.) Daneben existieren je nach Verwendungszweck und Staat noch weitere Schreibweisen. Jede Ziffer hat einen Ziffernwert; jede Stelle hat einen Stellenwert. Der Ziffernwert liegt in der konventionellen ZÀhlreihenfolge. Der Stellenwert der i {\displaystyle i} -ten Stelle wird durch die Zehnerpotenz 10 i {\displaystyle 10^{i}} festgelegt, wenn die ZÀhlvariable zu i = 0 {\displaystyle i=0} auf der Einerstelle festgelegt wird.
NatĂŒrliche Zahlen enden rechts mit der Ziffer z 0 {\displaystyle \mathbf {z} _{0}} auf der Einerstelle. Ihr vorangestellt werden die Ziffern z 1 {\displaystyle \mathbf {z} _{1}} auf der Zehnerstelle, z 2 {\displaystyle \mathbf {z} _{2}} auf der Hunderterstelle usw., bis man auf der höchstwertigen Stelle, die mit einer Ziffer belegt ist, bei z m {\displaystyle \mathbf {z} _{m}} ankommt. Sollen nur signifikante Stellen angegeben werden, so ist z m â â 0 {\displaystyle z_{m}\neq 0} .
Positive rationale Zahlen (zum Beispiel 65 4 {\displaystyle {\tfrac {65}{4}}} ) können in einen ganzzahligen Teil und einen echten Bruch zerlegt werden (im Beispiel 65 4 = 16 + 1 4 {\displaystyle {\tfrac {65}{4}}=16+{\tfrac {1}{4}}} ), und der Bruch lĂ€sst sich in Zehntel, Hundertstel usw. umrechnen (im Beispiel 1 4 = 2 10 + 5 100 {\displaystyle {\tfrac {1}{4}}={\tfrac {2}{10}}+{\tfrac {5}{100}}} ). In der Schreibweise als Dezimalzahl folgen zur AnfĂŒgung des Bruchs rechts von der Einerstelle das Dezimalzeichen (im deutschsprachigen Raum ist das ein Komma) und auf Nachkommastellen die Ziffern z â â 1 {\displaystyle \mathbf {z} _{-1}} bis z â â n {\displaystyle \mathbf {z} _{-n}} (im Beispiel 65 4 = 16 , 25 {\displaystyle {\tfrac {65}{4}}=16{,}25} ). Dabei kann die Anzahl n {\displaystyle n} begrenzt sein (im Beispiel n = 2 {\displaystyle n=2} ) oder auch unbegrenzt.â Ist der Wert (Absolutwert) einer Zahl kleiner als 1, so wird links vom Komma stets eine 0 geschrieben.cite-ref-iso-80000-1-7-0[7]
Der Wert Z {\displaystyle Z} der Dezimalzahl ergibt sich durch Summierung der mit ihrem zugehörigen Stellenwert multiplizierten Ziffernwerte. ZusÀtzlich ist das Vorzeichen voranzustellen; ein fehlendes Vorzeichen bedeutet ein Plus.
Z = â â i = â â n m z i â
â
10 i > 0 ; Z = â â â â i = â â n m z i â
â
10 i < 0 {\displaystyle Z=\sum _{i=-n}^{m}z_{i}\cdot 10^{i}>0\ ;\qquad Z=-\sum _{i=-n}^{m}z_{i}\cdot 10^{i}<0} .
Beispiel (mit m = 1 {\displaystyle m=1} und n = 2 {\displaystyle n=2} ):
16 , 25 = 1 â
â
10 1 + 6 â
â
10 0 + 2 â
â
10 â â 1 + 5 â
â
10 â â 2 {\displaystyle 16{,}25=1\cdot 10^{1}+6\cdot 10^{0}+2\cdot 10^{-1}+5\cdot 10^{-2}}
oder
16 , 25 = 1 â
â
10 + 6 â
â
1 + 2 â
â
0 , 1 + 5 â
â
0 , 01 {\displaystyle 16{,}25=1\cdot 10+6\cdot 1+2\cdot 0{,}1+5\cdot 0{,}01}
LĂ€ngere Ziffernfolgen werden zur besseren Lesbarkeit in Dreiergruppen strukturiert (ab dem Komma nach links und nach rechts), siehe Schreibweise von Zahlen. Dazu dient nach Empfehlung der ISO ein (geschĂŒtztes) schmales Leerzeichen als Tausendertrennzeichen; Punkte zur Gruppierung sollen nicht mehr verwendet werden, da diese in Teilen der Welt als Dezimalzeichen verwendet werden und daher missverstĂ€ndlich sind.cite-ref-iso-80000-1-7-1[7] Demnach wird die Dezimalzahl 76543210,9876 strukturiert in 76 543 210,987 6 oder fĂŒr Teile der Schweiz in 76'543'210,9876.
Dezimalbruchentwicklung
Die Umrechnung eines gewöhnlichen Bruchs in eine Dezimalzahl und darĂŒber hinaus die Darstellung einer reellen Zahl in der vorstehenden Weise wird als Dezimalbruchentwicklung bezeichnetcite-ref-8[8] und unter diesem Stichwort ausfĂŒhrlicher behandelt.
Bei allen rationalen Zahlen ist die Folge der Ziffern periodisch ohne Ende. Im hĂ€ufig auftretenden Sonderfall, wenn die Ziffernfolge ab einer gewissen Stelle durchweg aus Nullen besteht, sagt man, dass die Dezimalbruchentwicklung abbricht. Diese Nullen dĂŒrfen auf Nachkommastellen weggelassen werden, und der Dezimalbruch wird als endlicher Dezimalbruch bezeichnet.cite-ref-9[9]
Bei einem unendlichen Dezimalbruch wird mit der Schreibweise 0 , a 1 a 2 a 3 ⊠⊠{\displaystyle 0,\mathbf {a} _{1}\mathbf {a} _{2}\mathbf {a} _{3}\ldots } der Wert der Reihe â â i = 1 â â a i â
â
10 â â i {\displaystyle \sum _{i=1}^{\infty }a_{i}\cdot 10^{-i}} bezeichnet. FĂŒr periodische DezimalbrĂŒche gibt es eine abgekĂŒrzte Notation.
Eine irrationale Zahl enthĂ€lt (auch) im Dezimalsystem eine unendliche, nicht-periodische Nachkommaziffernfolge.cite-ref-10[10] Angeben lĂ€sst sich davon stets nur ein endlicher Teil. Mit diesem kann man sich dem Wert der irrationalen Zahl zwar je nach LĂ€nge beliebig annĂ€hern, jedoch ist eine solche endliche Darstellung niemals exakt. Es ist also nur mithilfe zusĂ€tzlicher Symbole möglich, irrationale Zahlen exakt anzugeben. Beispiele solcher Symbole sind Wurzelzeichen, wie 2 {\displaystyle {\sqrt {2}}} , Buchstaben wie Ï Ï {\displaystyle \pi } fĂŒr die Kreiszahl oder e {\displaystyle \mathrm {e} } fĂŒr die Eulersche Zahl, sowie mathematische AusdrĂŒcke wie unendliche Reihen oder Grenzwerte.
Umrechnung in andere Stellenwertsysteme
Methoden zur Umrechnung von und in das Dezimalsystem werden im Artikel zum Stellenwertsystem und in Artikeln zu anderen Stellenwertsystemen beschrieben: Dualsystem, TernÀrsystem, Oktalsystem, Duodezimalsystem, Hexadezimalsystem.
Geschichte
Einer der Ă€ltesten Hinweise auf das Dezimalsystem prĂ€historischer Kulturen findet sich in einem Hortfund von Oberding aus der frĂŒhen Bronzezeit (um 1650 v. Chr.) mit 791 weitgehend standardisierten Spangenbarren aus Kupfer aus dem Salzburger Land und der Slowakei. Die Mehrzahl dieser Barren war in Gruppen zu 10 mal 10 BĂŒndeln abgelegt worden.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]
Dezimale Zahlensysteme â noch ohne Stellenwertsystem und ohne Darstellung der Null â lagen im Altertum unter anderem den Zahlschriften der Ăgypter, Minoer, Griechen und Römer zugrunde. Es handelte sich dabei um additive Zahlschriften, mit denen beim Rechnen Zahlen zwar als GedĂ€chtnisstĂŒtze niedergeschrieben, aber arithmetische Operationen im Wesentlichen nicht schriftlich durchgefĂŒhrt werden konnten: Diese waren vielmehr mit Kopfrechnen oder mit anderen Hilfsmitteln wie den Rechensteinen (griech. psephoi, lat. calculi, im SpĂ€tmittelalter auch Rechenpfennige oder franz. jetons genannt) auf dem Rechnen auf Linien und möglicherweise mit Fingerrechnen zu leisten.
Den in römischer und mittelalterlicher Zeit verbreiteten, in etwas anderer Form auch in der arabischen Welt gebrauchten Fingerzahlen lag ein dezimales System fĂŒr die Darstellung der Zahlen 1 bis 9999 zugrunde, ohne Zeichen fĂŒr Null, und mit einem Positionssystem eigener Art. Hierbei wurden durch genau festgelegte Fingerstellungen auf der linken Hand mit kleinem, Ring- und Mittelfinger die Einer 1 bis 9 und mit Zeigefinger und Daumen die Zehner 10 bis 90 dargestellt, wĂ€hrend auf der rechten Hand die Hunderter mit Daumen und Zeigefinger spiegelbildlich zu den Zehnern und die Tausender mit den drei ĂŒbrigen Fingern spiegelbildlich zu den Einern dargestellt wurden.cite-ref-13[13] Diese Fingerzahlen sollen nicht nur zum ZĂ€hlen und zum Merken von Zahlen, sondern auch zum Rechnen verwendet worden sein; die zeitgenössischen Schriftquellen beschrĂ€nken sich jedoch auf die Beschreibung der Fingerhaltungen und geben keine nĂ€here Auskunft ĂŒber die damit durchfĂŒhrbaren rechnerischen Operationen.
Auf den Rechenbrettern des griechisch-römischen Altertums und des christlichen Mittelalters stand (demgegenĂŒber) fĂŒr die Darstellung ganzer Zahlen ein vollwertiges dezimales Stellenwertsystem zur VerfĂŒgung, indem fĂŒr eine gegebene Zahl die Anzahl ihrer Einer, Zehner, Hunderter usw. durch Rechensteine in entsprechenden vertikalen Dezimalspalten dargestellt wurde. Auf dem antiken Abakus geschah dies durch Ablegen oder Anschieben einer entsprechenden Anzahl von Calculi in der jeweiligen Dezimalspalte, wobei zusĂ€tzlich eine FĂŒnferbĂŒndelung praktiziert wurde, indem je fĂŒnf Einheiten durch einen einzelnen Calculus in einem seitlichen oder oberen Sonderbereich der Dezimalspalte reprĂ€sentiert wurden.cite-ref-14[14] Der Universalgelehrte Archimedes (ca. 287â212 v. Chr.) erfand in seinem Werk âDer Sandrechnerâ ein dezimales Positionssystem, das auf der Zahl 108 (Oktade) basierte.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Auf dem Klosterabakus des FrĂŒhmittelalters, der hĂ€ufig mit Gerbert von Aurillac verbunden wird und vom 10. bis 12. Jahrhundert in Gebrauch war, wurde stattdessen die Anzahl der Einheiten in der jeweiligen Dezimalspalte nur durch einen einzelnen Stein dargestellt, der mit einer Zahl von 1 bis 9 beziffert war.cite-ref-17[17] Obwohl ein Rechenstein mit einer aus dem Arabischen stammenden Ziffer fĂŒr Null (mittellateinisch cifracite-ref-18[18]) zur VerfĂŒgung stand, wurde er beim abazistischen Rechnen fĂŒr einen anderen Zweck verwendet â das war eine im 10. bis 12. Jahrhundert auf dem Gerbertschen Abakus gebrĂ€uchliche Rechenmethode. Das spĂ€tere Mittelalter und die FrĂŒhe Neuzeit kehrte wieder zur Verwendung unbezifferter Rechensteine zurĂŒck, welche die Spalten â nunmehr horizontal gezogenen Linien â entweder fĂŒr dezimales Rechnen mit ganzen Zahlen an der Basiszahl 10 (mit FĂŒnferbĂŒndelung),cite-ref-19[19] oder fĂŒr das Finanzrechnen an den aus dem karolingischen MĂŒnzwesen (1 Pfund = 20 Schilling = 240 Pfennig) ererbten monetĂ€ren Grundeinheiten verwendete.cite-ref-20[20] Auf den antiken wie auf den mittelalterlichen Varianten dieses Hilfsmittels erfolgte die Darstellung des Wertes Null jeweils durch Freilassen der betreffenden Dezimalspalte bzw. Linie, so auch auf dem Abakus. Mithilfe der antiken und mittelalterlichen Rechenbretter lieĂen sich Addition und Subtraktion erheblich vereinfachen, wĂ€hrend sie fĂŒr Multiplikation und Division wenig geeignet waren oder verhĂ€ltnismĂ€Ăig komplizierte Operationen erforderten, die besonders fĂŒr den Klosterabakus in mittelalterlichen Traktaten beschrieben wurden und in ihrer Schwierigkeit berĂŒchtigt waren.
Eine Zahlschrift mit vollwertigem Stellenwertsystem, bei dem auch die Position des Zahlzeichens dessen Wert bestimmt, entwickelten zuerst die Babylonier auf der Basis 60 und ergĂ€nzten es vermutlich schon vor dem 4. Jahrhundert vor Chr. auch um ein eigenes Zeichen fĂŒr Null.cite-ref-21[21] Dieses Sexagesimalsystem hat Auswirkung bis in die Jetztzeit in der Unterteilung der Winkeleinheit Grad und der Zeiteinheit Stunde in 60 Minuten und der Minute weiter in 60 Sekunden. Eine Zahlschrift mit Stellenwertsystem auf der Basis 10, aber noch ohne Zeichen fĂŒr die Null, entstand in China vermutlich bereits einige Jahrhunderte vor der Zeitenwende (in Einzelheiten bezeugt seit dem 2. Jahrhundert vor Chr.), wahrscheinlich mithilfe von RechenstĂ€bchen auf einer schachbrettartig eingeteilten chinesischen Variante des Abakus, und wurde erst unter indischem Einfluss seit dem 8. Jahrhundert auch um ein Zeichen fĂŒr Null ergĂ€nzt.cite-ref-22[22]
In Indien selbst sind die AnfĂ€nge des positionellen Dezimalsystems mit Zeichen fĂŒr die Null nicht sicher zu bestimmen. Die Ă€ltere Brahmi-Zahlschrift, die vom 3. bis zum 8. Jahrhundert in Gebrauch war, verwendete ein dezimales System mit AnsĂ€tzen zu positioneller Schreibung, aber noch ohne Zeichen fĂŒr Null.cite-ref-23[23] Die Ă€lteste indische Form der heutigen indo-arabischen Ziffern, mit aus der Brahmi-Zahlschrift herzuleitenden Zeichen fĂŒr 1 bis 9 und einem Punkt oder kleinen Kreis fĂŒr Null, ist durch sicher datierbare epigraphische Zeugnisse zuerst auĂerhalb Indiens seit dem 7. Jh. in SĂŒdostasien als indischer Export und in Indien selbst seit dem 9. Jahrhundert zu belegen;cite-ref-24[24] man nimmt jedoch an, dass die Verwendung dieses Ziffernsystems in Indien bereits im 5. Jahrhundert begann.cite-ref-25[25] Das gleiche positionelle Dezimalsystem mit Zeichen fĂŒr Null lag auch dem in etwa gleichzeitigen gelehrten Zahlwortsystem indischer Astronomen zugrunde, in dem umschreibende AusdrĂŒcke wie âAnfangâ (1), âAugenâ (2), âdie drei Zeitstufenâ (3) fĂŒr die Zahlen 1 bis 9 und âHimmelâ, âLeereâ, âPunktâ oder andere Wörter fĂŒr Null gemÀà ihrem dezimalen Stellenwert als sprachliche Umschreibung mehrstelliger Zahlen gereiht wurden.cite-ref-26[26] Als frĂŒhes Zeugnis einer solchen positionellen Setzung von in diesem Fall weitgehend unmetaphorischen sprachlichen Zahlenbezeichnungen gilt bereits das 458 in Prakrit verfasste Lokavibhaga,cite-ref-27[27] das allerdings nur in einer spĂ€teren SanskritĂŒbersetzung erhalten ist. Voll ausgebildet findet sich das umschreibende Zahlwortsystem dann bei Bhaskara I. (7. Jh.).
Von den Arabern und den von ihnen arabisierten Völkern wurde fĂŒr die Schreibung von Zahlen zunĂ€chst das dezimale additive System der alphabetischen griechischen Zahlschrift, anfangs vermittelt durch hebrĂ€isches und syrisches Vorbild, ĂŒbernommen und auf die 28 Buchstaben des arabischen Alphabets ĂŒbertragen.cite-ref-28[28] SpĂ€testens seit dem 8. Jahrhundert wurden jedoch zuerst im arabischen Orient und im Verlauf des 9. Jahrhunderts dann auch in Nordafrika und Al-Andalus die indischen Ziffern und darauf beruhenden Rechenmethoden bekannt. Die frĂŒheste ErwĂ€hnung findet sich im 7. Jahrhundert durch den syrischen Bischof Severus Sebokht, der das indische System ausdrĂŒcklich lobt. Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung in der arabischen und der westlichen Welt spielte Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, der die neuen Ziffern nicht nur in seinen mathematischen Werken verwendete, sondern um 825 auch eine nur in lateinischer Ăbertragung erhaltene EinfĂŒhrung KitÄb al-DschamÊż wa-l-tafrÄ«q bi-áž„isÄb al-Hind (âĂber das Rechnen mit indischen Ziffernâ) mit einer fĂŒr den AnfĂ€nger geeigneten Beschreibung des Ziffernsystems und der darauf beruhenden schriftlichen Grundrechenarten verfasste.
Im 10./11. Jahrhundert waren im lateinischen Westen bereits westarabische oder daraus abgeleitete Ziffern (apices genannt) auf den Rechensteinen des Klosterabacus aufgetaucht. Sie wurden aber nicht auch darĂŒber hinaus als Zahlschrift oder sogar fĂŒr schriftliches Rechnen verwendet. Zusammen mit dem Klosterabacus gerieten sie wieder in Vergessenheit. Al-Chwarizmi verhalf seit dem 12. Jahrhundert in lateinischen Bearbeitungen und daran anknĂŒpfenden volkssprachlichen Traktaten dem indischen Ziffernrechnen zum Durchbruch. Deren Anfangsworte Dixit Algorismi bewirkten, dass âAlgorismusâ, die lateinische Wiedergabe seines Namens, sich weithin als Name dieser neuen Rechenkunst etablierte.cite-ref-29[29] Besonders in Italien, wo Leonardo Fibonacci es in seinem Liber abbaci auch aus eigener, in Nordafrika erworbener Kenntnis bekannt machte, konnte das indische Ziffernrechnen seit dem 13. Jahrhundert den Abacus (mit unbezifferten Rechensteinen) im Finanzwesen und kaufmĂ€nnischen Bereich nahezu vollstĂ€ndig verdrĂ€ngen und sogar dessen Namen (abbaco) annehmen. In ĂŒbrigen LĂ€ndern wurde es zwar zum Gegenstand des wissenschaftlichen und kaufmĂ€nnischen Unterrichts, besaĂ bis zur FrĂŒhen Neuzeit aber im Rechnen auf Linien einen ĂŒbermĂ€chtigen Konkurrenten. Auch als einfache Zahlschrift fĂŒr die praktischen Zwecke des Niederschreibens von Zahlen und des Nummerierens, fĂŒr die kein Stellenwertsystem benötigt wird, konnten sich die indo-arabischen Ziffern erst seit der frĂŒhen Neuzeit allmĂ€hlich gegen die römischen Zahlen durchsetzen.
Der Gebrauch von Nachkommastellen ist erstmals nachgewiesen bei Giovanni Bianchinicite-ref-30[30] gegen Mitte des 15. Jahrhunderts. Weitere Verbreitung des Dezimalzeichens findet sich seit Simon Stevin und Christophorus Clavius gegen Ende des 16. Jahrhunderts.
Siehe auch
Literatur
âą John D. Barrow: Warum die Welt mathematisch ist / John D. Barrow. Aus dem Engl. und mit einem Nachwort von Herbert Mehrtens. Campus-Verl., Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-593-34956-6.
⹠Georges Ifrah: Universalgeschichte der Zahlen. Mit Tab. und Zeichn. des Autors. Parkland-Verl., Köln 1998, ISBN 3-88059-956-4.
âą Karl Menninger: Zahlwort und Ziffer. Eine Kulturgeschichte der Zahl. Bd. 1. ZĂ€hlreihe und Zahlsprache; Bd. 2. Zahlschrift und Rechnen. Vandenhoeck & Ruprecht, 1958. Digitalisat
âą John M. Pullan: The History of the Abacus. Hutchinson, London 1968.
Weblinks
Wiktionary: Dezimalsystem
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikibooks: Mathematik: Schulmathematik: Zahlensysteme: Zehnerzahlen
â Lern- und Lehrmaterialien
Einzelnachweise
cite-note-11. â DWDS â Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften [1], abgerufen am 27. Oktober 2023.
cite-note-22. â Arnfried Kemnitz: Mathematik zum Studienbeginn: Grundlagenwissen fĂŒr alle technischen, mathematisch-naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen StudiengĂ€nge. 12. Auflage. Springer, 2019, S. 39.
cite-note-33. â Rainer Kassing: Mikrocomputer, Struktur und Arbeitsweise. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1984, ISBN 3-528-04217-6, S. 2 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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